Sri Lanka 2009 - Teil 2

Ayubowan zum zweiten Teil unseres Sri Lanka Reiseberichts! Im Dezember 2009 waren wir für etwa 4 Wochen mit dem Rucksack kreuz und quer auf der Insel unterwegs. Matthias war bereits 2006 schon einmal dort gewesen und kannte sich deshalb schon recht gut aus. Was wir auf dieser unglaublich abwechslungsreichen kleinen Insel im Indischen Ozean alles erlebt haben, berichten wir hier:

SRI LANKA - Part 2

Transfer Kandy - Ella mit der Hochlandbahn

Mit dem Zug ging es ausnahmsweise pünktlich um 9 Uhr früh los. Zunächst nach Peradeniya, einem Vorort von Kandy wo sich auch Universität und botanischer Garten befinden. Hier stiegen wir um in einen zweiten Zug, der uns in einem langen Linksbogen durch bzw. um das herrliche Hochland mit seinen Teeplantagen bis nach Ella bringen sollte.


Der Zug ab Peradeniya war proppenvoll mit Touristen (unter anderem reisten ab hier auch wieder Geli und Willi mit - ein purer Zufall!) und Einheimischen. Mit unserem 2. Klasse-Ticket fanden wir mit Mühe und Not noch Platz im unbestuhlten Speisewagen, nachdem die Menschenmasse den restlichen Zug in Beschlag genommen hatte. Das Speiseabteil bestand lediglich aus einem Kabuff mit Schalter zum Verkauf von kleinen Speisen, Snacks, Kaffe & Tee sowie zwei fest im Boden verankerten Tischen. Wurden die Tische zunächst noch zum Essen der in Zeitungspapier mitgebrachten Curry-Rationen von einer Familie nach der anderen verwendet, lümmelten sich nach und nach immer mehr Reisende auf den Holzplatten herum. Nach einer Weile des Stehens überwanden wir unsere Scheu und hockten uns ebenfalls ganz frech auf die freien Tischplatten. Während der Speisewagenverkäufer resolut die Einheimischen herunterscheuchte, traute er sich dies uns gegenüber nicht. Auch die "Bahn-Security" (mehrere Herren in offiziellen Uniformen, die eigentlich dasselbe machten wie wir: Gammeln) traute sich nicht an die "edlen Touristen" heran. Irgendwie ein blödes Gefühl, wenn man sieht, wie ein altes, klappriges Väterchen verscheucht wird und die Touristen sich auf dem Tisch breit machen dürfen. Eine andere Möglichkeit gab es jedoch leider nicht, um sich die schaukelige Fahrt ein wenig angenehmer zu machen. Alle Abteile waren hoffnungslos überfüllt und so hatten wir auch bald kein schlechtes Gewissen mehr abwechselnd zu stehen oder mal auf dem Tisch zu sitzen. Gegen Mitte der Fahrt wurden jedoch alle Varianten einfach zu unbequem und wir warfen kurzerhand unsere Rucksäcke vor die offenen Fenster auf den rostig-dreckigen Boden, hockten uns auf sie und genossen den Rest der Fahrt mit dem Kinn auf der Fensterbank.

Immer höher schnaufte sich der vollbeladene Zug gemächlich ins Hochland hinein. Hin und wieder konnte durch Wolken- und Regenbänke hindurch ein grandioser Blick auf die saftig-grünen Tee-Hochebenen erhascht werden. Mal tief im Tal, Mal direkt neben dem Zug konnten wir die unzähligen Frauen beim Pflücken des Tees beobachten. Immer wieder hielt der Zug auch an den winzigsten Stationen und allerhand Menschen und Waren verließen oder erklommen die Bahn.

Regen und dichter Nebel wechselten sich miteinander ab und versperrten uns des öfteren so manchen grandiosen Ausblick. So kam man mit dem ein oder anderen Mitreisenden ins Gespräch, der sich natürlich brennend für Nationalität und "Hau duh juh laik Schri Lanka?" interessierte.

Bemerkenswert: generell sind im Zug alle Türen und Fenster offen. Verwegene Jünglinge balancieren auf den Trittbrettern und kauen Betel-Nuss, deren Reste immer wieder in große roten Rotz-Bomben am offenen Fenster der Hintermänner vorbeikommen. Manchmal singt und tanzt ein komplettes Abteil gemeinsam ein Volkslied und wenn es in eines der vielen Tunells hineingeht, schreit der ganze Zug - nicht vor Angst sondern vor Freude am Echo.

Fazit: Die Bahnfahrt war ein beeindruckendes Erlebnis, das auch durch den ständigen Regen und den durchgängigen, dichten Nebel nicht getrübt werden konnte (auch wenn man manchmal die Hand vor Augen kaum sehen konnte). Kleines Augenzwinkern: die 2.-Klasse-Fahrkarte kostete weniger als 3 €. Das unangenehme Stehen, Hocken und Kauern, welches die Fahrt schier endlos werden lies, haben wir natürlich längst wieder vergessen.


Station 7: Ella - Geheimtip im Hochland

Wenige Stationen vor Ella wurde ich im Zug von einem eigentlich schüchternen aber vom Mut angetrieben Mann angesprochen, ob wir noch ein Quartier für die Nacht bräuchten. Der junge Herr entpuppte sich als Besitzer eines Guesthouses, welches erst kurz zuvor in Ella eröffnet wurde. Wir willigten gerne ein uns seine Unterkunft anzuschauen.

Am Bahnhof von Ella sprangen wir also mit müden Knochen aus dem Zug und reckten und streckten uns erstmal nach der langen Fahrt. Vor dem Bahnhofsgebäude dann die nächste Überraschung: mittlerweile war es nicht nur schon am Dämmern sondern das ganze Örtchen war in einer dicken Nebelsuppe eingehüllt, sodass kaum die Hand vor Augen zu erkennen war. Ganz still und gedämpft, wie in einer tief verschneiten Winternacht muteten die wenigen zu vernehmenden Geräusche an. Zu dritt quetschten wir uns in ein rasch herbeigerufenes Tuktuk, dass uns die paar hundert Meter zum Guesthouse hinunterfuhr. Bezahlen mussten wir für den Transport nicht. Stattdessen bat uns der Fahrer doch am morgigen Tag seine Dienste in Anspruch zu nehmen, falls es irgendwo per Tuktuk ins Umand gehen sollte. So macht man Business!

Im Guesthouse angekommen waren wir sofort begeistert: alles neu eingerichtet, tolle und saubere Zimmer und der Preis ebenfalls mehr als human für diese sehr anständige Unterkunft. Schliesslich hatten wir bereits in durchaus schlechteren Einrichtungen für gleichviel oder gar mehr Rupien eingecheckt.

Der Rest des Abends plätscherte dahin. Auf der Veranda machten wir es uns ersteinmal bequem und versuchten uns an die gedämpfte Stimmung, ausgelöst durch die Nebelsuppe, zu gewöhnen. Die Dusche, die frischen Klamotten und ein herrliches Essen ließen uns neue Kraft sammeln. Gemeinsam mit Thomas waren wir die einzigen Gäste des hauseigenen Restaurants. Als das Essen dann aufgetragen wurde, trauten wir unseren Augen kaum: unzählige Teller, Schüsseln und Schüsselchen mit diversen Leckereien wurden herangetragen, bis unser Tisch proppenvoll zugestellt war. Wir ließen es uns ordentlich schmecken und den Abend bei einigen Bierchen gemeinsam mit Thomas ausklingen.

Immernoch nebelig und kühl-feucht präsentierte sich der nächste Morgen. Etwas ratlos und ohne festen Plan schlappten wir durch das kleine Dörfchen, dessen Häuser sich hauptsächlich entlang der steil abfallenden Hauptstraße aufreihten. Obwohl der Nebel bereits etwas abgenommen hatte, war das komplette Kaff immernoch total verschlafen (oder ist es hier immer so "gemütlich"?). Ab und zu ratterte mal ein LKW oder Bus die Straße hinunter oder hinauf. Ansonsten war nicht viel los. Kaffees, Kiosks und ein paar auf Touristen abzielende Ladengeschäfte und schon hatte man das Dorf durchschritten. Wir spazierten zurück zum Guesthouse und ließen den Tuktuk-Fahrer von gestern abend heranholen. Nach der Aushandlung des Fahrpreises stand unser Programm für die nächsten paar Stunden fest: zunächst ging es hoch über das Dorf zu einer Teefabrik, die wir mit großem Interesse besichtigten, danach wieder durch das Dorf hindurch den Berg hinab zu den nahegelegenen Ella-Falls. Als wir die imposanten Wasserfälle gegen Mittag erreichten, hatte es bereits aufgeklart und hin und wieder brannte sogar die Sonne durch die Wolken hindurch auf das Bergland herunter. Wir betrachteten uns die Wasserfälle - bei gutem Wetter sicher ein Magnet für Touristen - und knipsten einige Erinnerungsfotos. Die Verkäufer der 4-5 kioskartigen Buden, die sich in der unmittelbaren Nähe des Aussichtspunktes befanden, hatten heute wahrlich nicht viel zu tun. Lediglich die frechen Affen, die überall umhersprangen, wolten ein wenig geärgert werden. Nachdem wir alles gesehen hatten, ging es im Tuktuk dann wieder steil bergauf in Richtung Ella. Oftmals hatte der kleine Motor ordentlich zum kämpfen, um uns wenigstens im Schneckentempo voran zu bringen - so steil war die Bergstraße. Diese wurde gerade erweitert, indem mit schwerem Gerät das Bergmassiv scheibchenweise abgetragen wurde. So mussten wir hin und wieder anhalten, um den Gegenverkehr passieren zu lassen.

Zurück im Guesthouse gaben wir schnell unsere Bestellung fürs Mittagessen auf, sodass der Koch, der die schmackhaften Menüs zauberte, ein wenig vorplanen konnte. Wir hingegen schnappten uns die Sonnencreme und tigerten nochmal durch das verschlafene Nest. Mittlerweile brannte die Sonne ganz ordentlich - von Nebel überhaupt keine Spur mehr. Als wir rein zufällig den Bahnhof wiederfanden waren wir uns einig: den hätten wir nach der "blinden" Nebel-Ankunft gestern niemals ohne weiteres auf Anhieb wiedergefunden!

Das Dorf und sein Umland war somit komplett bereist und so schmiedeten wir kurzerhand den Plan nicht erst den Abend-Bus zu nehmen, sondern sobald als möglich die Biege zu machen. Zurück im Guesthouse war dann auch pünktlich unser Mittagessen zubereitet, welches wir hungrig verschlangen. Taschen packen und auf zum nächsten Bus war die Devise. Thomas, der heute mal lange auspennte, jetzt jedoch nicht mehr auf seinem Zimmer war, hinterließen wir unsere Kontaktdaten und zogen los. Im Laufe unserer Reise sollten wir ihn nicht mehr wiedersehen, erfuhren jedoch nachträglich, dass er eine ähnliche Weiterreise wie wir (nur zeitversetzt) einschlagen sollte.

Hier die Fotos von Ella, Sri Lanka


Station 8: Tangalla (auch: Tangalle)

Das angebotene Zimmer sagte uns direkt zu - auf eine längere Suche hatten wir ohnehin nach dem Bus-Trip keine Lust mehr - und so handelten wir den Preis nochmal runter von 1000 auf 800 Rupien pro Nacht.

Duschen, die feuchten Klamotten aus dem Rucksack durchwaschen - im Bergland wurde unser kompletter Rucksack-Inhalt nach und nach feucht - und im stickig-heißen Zimmer aufhängen war die erste Amtshandlung. "Stickig-heiß"!?!? Erst jetzt bemerkten wir den deutlichen Klimawechsel zwischen feucht-kühlem Hochland, wo wir heute morgen noch waren, und dem hiesigen trocken-heißen Klima am Meer. Die Freude darüber war groß, denn die Hochland-Suppe nervte uns langsam aber sicher. Selbst der Ventilator auf Hochtouren konnte das Zimmer nicht wirklich herunterkühlen - wie herrlich! Tür öffnen wäre nicht sinnvoll gewesen, da hier am Meer natürlich die Moskito-Population eine deutlich größere war, als bislang gewohnt. Trotzdem war es ein tolles Gefühl einfach unabgetrockent nach dem Duschen durchs Zimmmer zu laufen und zu wissen, dass es in Deutschland gerade -18°C sind und die heimischen Häuser unter einer dichten Schneedecke begraben sind. Soweit wir den bisherigen emails aus Deutschland entnehmen konnten, begann dort bereits wenige Tage nach unserer Abreise eine strenge Frostperiode.

Nach dem Frischmachen ging´s über die Straße, wo sich direkt am Meer das Haupt-Hotel samt "Restaurant" befand. Endlich gab´s was warmes zu Essen und was kühles zu Trinken (Lion-Beer, was sonst!). Den restlichen Abend verbrachten wir auf der Terasse des Restaurants plaudernd mit dem "Jungmanager" des Hotels - ein Kerlchen kaum 20 Jahre alt, aber nett und aufgeschlossen. Wir redeten über die Tsunami-Folgen sowohl für die hiesige Bausubstanz als auch für die Touristenströme und die davon äußerst abhängige wirtschaftliche Lage. In der Tat bräuchte man hier deutlich mehr Touristen als derzeit, um wirklich davon leben zu können.

Vor dem Schlafen legten wir uns in die Liegestühle auf dem Vordach unseres Zimmers und genossen den Blick in unseren ersten sternenklar-funkelnden Himmel dieser Reise - nicht zu vergessen, das immerwährende Rauschen des nächtlichen Meeres, das gerade einmal 30 Meter vom Zimmer entfernt brandete. Mit dem Wissen "Endlich sind wir am Strand und in der Sonne und trotzdem haben wir bereits so viel tolles und sehenswertes erlebt" ging es dann ins Bett.


Station 9: Matara - Polhena

Nach den ersten beiden Strandtagen in Tangalla (oder auch Tangalle) packte uns erneut die Reiselust. Dadurch, dass wir unseren Trip durchs Hochland in recht kurzer Zeit mit großen Distanzen hinter uns gebracht hatten, wollten wir uns nun ausgiebig Zeit nehmen und die (Süd-)Westküste in kürzeren, entspannteren Etappen vorankommen.

Also gings mit dem Bus weiter nach Matara (Matare). Die kurze Strecke von etwa 20 km bewältigten wir als mittlerweile erfahrene Langstrecken-Bus-Profis ohne Probleme. Entlang der Küstenstraße ging es bei großer Hitze bis zum staubigen und Menschen-überfüllten Busbahnhof. Kaum ausgestiegen, schnappten wir uns ein TukTuk und ließen uns in den Außenbezirk-Stadtteil Polhena bringen. Hier suchten wir uns ausnahmsweise nicht gleich das erstbeste Hotel aus, denn es war uns zu teuer. Auch Handeln erbrachte uns nicht unseren selbstgesteckten Preis von maximal 1000 Rupien. Also nochmals rein ins Dreirad und einige Hotels weiter wurden wir schließlich fündig: für 800 Rupien (na also, geht doch) stiegen wir in einem anderen Hotel ab, das außer uns keine Gäste verbuchte. Umso besser!

Da wir allerdings doch noch Matare besichtigen wollten, ließen wir den Fahrer warten und düsten, nachdem wir unsere Rucksäcke abgestellt hatten, gleich wieder mit ihm in die Stadt zurück. Die extreme Hitze dort machte uns ordentlich zu schaffen. Während es sonst oftmals bedeckt war, brachten die heute nicht vorhandenen Wolken auch keinen Schutz vor der sengenden Sonne. Wir schleppten uns durch die schöne, jedoch extrem aufgeheizte Stadt mit ihren zwei Forts aus Kolonialzeit und huschten in jedes schattige Eckchen, um uns nicht vollends den Pelz zu verbrennen.

Nach einer Weile entschieden wir jedoch, dass es für uns eine Spur zu heiß war und schnappten uns erneut ein TukTuk zum Hotel. Dort angekommen setzten wir uns erstmal für einen Kaffee auf die windige - gar stürmische Terrasse. Beim Beobachten der rauen See dachte ich erst mich verguckt zu haben, aber nein es waren tatsächlich zwei mittelgroße Meeresschildkröten, die laut Aussage des Hotel-Boys hier ihre Heimatbucht hatten. Stundelnag kreuzten sie vor der Terrasse hin und her, sodass wir die beiden eine ganze Weile lang gespannt beobachten konnten. Marta war ganz schön aufgeregt - für sie war es immerhin das erste Mal Meeresschildis in der freien Wildbahn beobachten zu können.

Gegen Nachmittag schnappten wir uns Schnorchel und Taucherbrille und badeten in der nun etwas ruhigeren See. Nach dem Abendessen gab es noch einen Spaziergang durchs Hinterland, wo die Bevölkerung ihre Häuser abseits der touristisch begehrten Strandlinie hatten. Alles in allem war hier jedoch touristisch überhaupt nichts los. Gut für uns, schlecht für die Kassen der hiesigen Einwohner.

Dem Tip des Hotel-Boys folgend machten wir um 3 Uhr Nachts einen Taschenlampen-Spaziergang am Meer um evtl. auf Schildkröten bei der Eiablage zu stoßen Leider blieb der Rundgang bis auf unzählige herumwuselnde Einsiedler-Krabben Tier- und erfolglos. Also wieder ab ins Bettchen und weiterschlafen für einen spannenden morgigen Tag.


Station 10: Mirissa

Auch in Matara / Pollhena hielt es uns nicht länger als eine Nacht. Es war zwar schön, den einsamen Strand mit niemandem teilen zu müssen und ganz für sich alleine haben zu können, jedoch Schildkröten gab es am Strand in der Nacht leider nicht und unser Gefühl, dass wir die Highlights der Region wohl alle bereits gesehen hatten, wandelte sich schnell in Gewissheit um. Also den Rucksack erneut zusammenpacken, die Rechung im Hotel begleichen, sich vom überaus eifrigen Hotel-Boy ein mehrfaches "God bless you" für das Trinkgeld abholen und auf geht´s in Richtung Mirissa. Diesmal gönnten wir uns allerdings den Luxus die relativ kurze Strecke (etwa 12 km) mit dem TukTuk zurückzulegen. Hätten wir dies mit dem Bus machen wollen, hätten wir zurück zum Busbahnhof in Matare gemusst, dort einen geeigneten Bus erwischen und dann weiter nach Mirissa. Hierfür wäre ebenfalls ein Tuktuk nötig gewaen, da es ca. 5 km zum Busbahnhof waren. Außerdem lag dieser in der entgegengesetzten Richtung und wir wären praktisch nochmal zurück gereist anstatt weiter. So fuhren wir halt für die entsprechenden Rupien mehr direkt weiter nach Westen und ließen uns in Mirissa zunächst am Hotel Giragalla Village am Strand absetzen. Schnell wurde klar, dass die Bude mit Torwächtern etc. mehr versprach als sie wert war. Der Preis sagte uns nicht zu, denn es war ein Guesthouse wie jedes andere, nur mit mehr Personal und anscheinend einem gewissen Namen. 2000 Rupien für die Nacht hätten wir wohl noch nicht mal am ersten Reisetag bezahlt. Irgendwo muss ja auch alles in Relation bleiben. Den Betreiber schmerzt es kaum, denn hier tummelt sich alles, was sich als Rucksacktourist tituliert und diese Preise anscheinend für angemessen hält. Stellt sich jetzt nur die Frage, ob wir "Rucksack-hardcore" unterwegs waren (was wir eigentlich überhaupt nicht so empfanden) oder andere sich als Backpacker bezeichnen, obwohl sie hier (zumindest preismäßig) in der upperclass absteigen!?

Kurzerhand schnappten wir die Rucksäcke, wechselten auf die strandabgelegene Straßenseite (hier wird´s bekanntlich immer relativ schnell günstiger), folgten dem Asphaltweg 100 m und standen vor einer wunderbaren 800-Rupein Unterkunft unserer Kragenweite. Ein Familienbetrieb ohne Restaurant, lediglich mit Frühstück - falls erwünscht. Mit dem Gefühl "mal wieder alles richtig gemacht zu haben" checkten wir ein, luden die Rucksäcke im Zimmer ab und zogen uns für den Strand um. Es war ja immernoch früh, da wir wie immer sehr zeitig das letzte Hotel verlassen hatten.

Am Strand war es bereits richtig schön heiß und wir sicherten uns den Schattenplatz unter der einzigen Kokospalme weit und breit. Vor dem Strandabschnitt der verschmähten "Luxus-Herberge" spielten einige Einheimische und Touris Cricket. Ein Spiel, das bis auf den nachfolgenden Sonnenbrand vollkommen öde ist. Bei der Hitze Strandfußball zu spielen ist aber auch verständlichermaßen viel zu kräftezehrend. Also planschten wir erst mal eine Runde und stellten dennoch fest, dass es hier schon deutlich touristischer war als die bisherigen Stationen. Trotzdem war die sichelförmige Bucht noch schön und nicht überfüllt.

Der Vorteil ist, dass man abends nicht an die Hotel-Küche gebunden ist, sondern einfach am Strand entlangspaziert, wo die einzelnen Guesthouses und Pubs mit Betischung und Petroleumlampen direkt auf dem Strand auf sich aufmerksam machen. Die Menütafeln mit dem Tagesangebot werden kurzerhand in den Sandboden gerammt und mit Fackeln beleuchtet. Hin und wieder kommt ein Oberkörper-freier "Wilder" mit langen Haaren vorbei und schwingt seine in Petroleum-getränkten Feuerpois durch den Nachthimmel. Das schafft tolle Atmosphäre und die Touris sind verzaubert. Für Marta und mich war das nicht neu, haben wir doch all das schon vor Jahren im Studiwohnheim in Mainz miterlebt.

Man setzt sich also einfach dorthin wo einem das Menü oder die Beleuchtung am besten gefällt, bestellt ein kühles Lion und einen Teller Meeresfrüchte. Lau geht der Tag zu Ende. Die Boxen der Pubs, die tagsüber noch Cafe-del-Mar summten, wummern nun allmählich mit härteren Beats in die Nacht hinein. Mit den blanken Füßen im immernoch brühwarmen Sand läßt man sich für angemessenes Geld eine schöne Portion Thunfisch, Shrimps oder Krabben plus Reis oder auch Pommes schmecken. Alles in allem geht man dann mit 2 Hauptmahlzeiten und 4 Lion-Beer für etwa 10 € insgesamt gestärkt in die Nacht hinein.

Selbstgebastelte Schilder machten uns schliesslich auf eine Hinterhofparty aufmerksam, die wir uns nicht entgehen ließen. Während sich junge Backpacker aus aller Herren Länder gemeinsam mit einheimischen Jungs mit harten Drinks in der Hand zum Techno-Rhythmus bewegten, stellten wir fest, dass einheimische Frauen doch eher in den eigenen vier Wänden zu bleiben haben, denn es waren keine anzutreffen. Lediglich im Haupthaus selbst saßen die Ladys unseren Alters mit den kleinen Kindern vorm Fernseher, während sich die Männer mit den Urlaubern verlustierten. Wild wurde getanzt und das ein oder andere Bierchen mehr als sonst getrunken. Als die Polizei gerade im Begriff war die laute Gartenparty aufzulösen, waren wir ohnehin zu später Stunde gerade auf dem Heimweg.


Station 11: Unawatuna

Unawatuna - die Legende eilte dem Dörfchen voraus und so war es hier einen deutlichen Tick touristischer als in den bisherigen Stationen. Die Preise der Zimmer waren schon spürbar höher, weshalb wir erst beim dritten Anbieter ein Nachtquartier annahmen - die anderen beiden verlangten Preise, die wir nicht gewillt waren zu zahlen. Da wir ab hier die restliche Reise deutlich Strand-und-Sonne-lastiger gestalteten, können die schriftlichen Ausführungen nachfolgend etwas knapper gehalten werden.

Von Unawatuna aus unternahmen wir eine Tagestour nach Galle. Eine herrliche, alte Kolonialstadt mit massiver Festungsanlage. Die Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe. Siehe hierzu den Wikipedia-Link. Von hier aus düsten wir zunächst mit dem Tuktuk zur Turtle-Farm, wo Marta die frisch geschlüpften Babies mal unter die Lupe nehmen wollte. Nach ewigem Herumfahren stellte sich dann heraus, dass wir von Galle aus wieder an Unawatuna vobeifuhren, um zur Turtle-Farm zu kommen. Das hätten wir also auch von dort aus erledigen können. Nachdem ich den Fahrer dafür verantwortlich gemacht hatte und deutlich ungehalten wurde, war der arme Kerl so aufgelöst, dass er uns zum Kaffee in sein extrem bescheidenes Zuhause einlud. In der maroden Bruchbude warteten bereits seine Frau und seine 2 kleinen Kinder, die wir nun auch kennenlernen durften. So hatte der vermeintliche Fehltrip doch noch einen angenehmen Beigeschmack.Natürlich versuchte der Kerl uns noch ein "Abo" aufzudrücken: nämlich von zuhause aus jählich seinen Kindern "Schulgeld" zu senden. Alles klar...

Zurück in Galle betrachteten wir nach kräftigem Regenschauer die gesamte Altstadt samt Fort, bevor es mit dem Bus wieder zurück nach Unawatuna ging.

Hier ist es dann auch leider passiert: Nach 2 Strandtagen blieb der MP3-Stick, auf dem wir bis hier jeden Abend akribisch alle unsere Tageserlebnisse aufdiktierten, leider im Zimmer liegen. Alle Spachaufzeichnungen also verloren! Das ist der Grund warum der Reisebericht nun so textlastig ist, denn eigentlich wollte ich hier aud der Internetseite zu jeder Station ganz bequem die Sprachdatei hinzufügen. Wie ärgerlich!!!


Literatur / Reiseführer

Als Reiseführer hatten wir den "Strandführer - Sri Lanka" dabei. In ihm werden pro Ort jeweils "nur" 5-6 Guesthouses angegeben - was ja eigentlich auch genügt; schließlich kann man immer nur in einer location pro Nacht absteigen. Der Lonely-Planet ist natürlich viiiieeel informativer, dafür aber auch teurer. Die gesunde Mischung aus Buchfakten plus Gesprächen mit anderen Reisenden und Einheimischen haben unsere Reiseroute und Übernachtungsplätze am meisten beeinflusst...Heute gibt´s für all das sicherlich "ne App"!

 

Ein Beitrag von Matthias.

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