Memos #005: Der Pfützen-Tiefseetaucher

Hurra - Der Herbst ist da. Vor gerade einmal zwei Wochen sind wir noch in Badehosen durch den Garten gerannt. Heute liegen die Temperaturen unter 10 Grad und der Himmel ist bleigrau. Es regnet seit Tagen und überall gibt es Pfützen. Pfützen sind ja so ziemlich das tollste für einen Zweijährigen, der gerade seine ersten Gummistiefel bekommen hat. Findet auch der Junior. Seit neustem fährt er auch mit großem Vergnügen Bobby Car. Irgendwie hat er es dann doch noch gecheckt, daß das Lenkrad nicht nur zum Festhalten und wild hin und her Zerren gedacht ist, sondern man damit auch haargenau die Fahrtrichtung seines Fahrzeugs bestimmen kann.

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Direkt hinter unserem Haus gibt es einen Feldweg, den wir in den letzten Tagen schon zig mal auf und ab gefahren sind. Also, der Junior gefahren und der Papa hinterher gelatscht. Und es gibt auch einen großen Schotterparkplatz. in seinen Senken breiten sich seit einigen Tagen große Pfützen aus. Das Zielgebiet des heutigen Familienspaziergang ist also schnell festgelegt: der Schotterplatz. Jetzt also "nur noch schnell" geeignete Kleidung anziehen: Pullover, dicke Jacke, Schal, Mütze, Gummistiefel... und zwar für alle von uns dreien. Kaum sind wir angerödelt, fangen wir im Hausflur an zu schwitzen. Also schnell raus, wo die dicken Klamotten besser geeignet sind. Aus dem Fuhrpark wird der Bobby Car geschnappt und ab geht´s auf die Rennstrecke hinterm Haus.

 

Heute regnet es ausnahmsweise nicht und wir Erwachsenen schlendern neben Racing-Bobby den Feldweg hinunter. Da der Kerl mit den neuen Gummistiefeln ausgestattet ist, darf er nach Belieben durch die Pfützen auf dem Schotterplatz sausen oder ohne Fahrzeug hüpfen. Das nasse Vergnügen klappt erstaunlicherweise so gut, dass dem gewieften Papi bald Zweifel aufkommen. Dieser dreht sich zur Mami und sagt: "Mal sehen wie lange es dauert, bis der Racker so nass gespritzt ist, dass wir wieder heim gehen müssen!"

 

Um es kurz zu machen: nachdem ich meine Vermutung ausgesprochen hatte, hätte ich schon anfangen können zu zählen: 21, 22, 23... und bumms! Der Junior, der gerade den Bobby zur Seite gestellt hat, um seine skills im mit-Anlauf-durch-die-riesen-Pfütze-rennen auszubauen, ist direkt vor unseren Augen schnurgerade wie eine Bahnschranke in die Pfütze reingeflatscht. Dort liegt er jetzt wie ein Schnee-Engel bis zur Körpermitte untergetaucht, während ich mich umso trockener Mami zuwende und sage: "Das ging jetzt doch etwas schneller als ich vermutet hatte!".

 

Die Situation bietet jedoch keinen Spielraum für weitere Scherze. Wir schnappen den Pfützen-Tiefseetaucher an Kopf und Kragen und hiefen ihn aus der Pfütze. Hose und Daunenjacke sind bereits komplett vollgesogen und ein Sturzbach aus Schmutzwasser rinnt in Richtung Boden. Der Junior schaut total belämmert und scheint noch nicht wirklich zu wissen was ihm soeben geschehen ist.

 

Die restliche Arbeitsteilung läuft routiniert-automatisiert ab: ich schnappe mir den Bobby Car und Eile zurück nach Hause, um ein Handtuch und Wechselklamotten für unseren Flipper zu richten. Dort angekommen sehe ich durchs Fenster wie Mami mit dem nassen Daunenbündel kämpft. Dieses ist sich mittlere seiner Lage schmerzlich bewusst geworden, da sich das kühle Nass den Weg durch die Kleidung bis auf die Haut gebahnt hat. Ich beneide Mami nicht, denn ich sehe ihr an wie sie kämpft, damit ihr der glitschige, sich stark windende Aal nicht aus den Händen gleitet.

 

An der Türschwelle angekommen begrüße ich beide mit einem gespielten: "Na, wo kommt ihr denn her!?". Aber es scheint auch jetzt keine Zeit für Scherze zu sein. Wir schälen den Aal aus seinen Textilien und bringen ihn so schnell wie möglich ins Wohnzimmer. Dort wartet das vorbereitete Handtuch. Der feuchte Schreck ist dem Bruchpiloten nach wie vor anzumerken und er fühlt sich offensichtlich nicht besonders wohl in seiner Haut. Mit vereinten Kräften schälen wir die Zwiebel-schichtige Kleidung des Jung-Aquaristen von ihm runter bis der Lümmel nackend vor uns auf dem Handtuch liegt. Während ich im Keller die Wäscheleine mit Juniors selbsternannter Bademode bestücke und Schüsseln zum Auffangen des Rest-Wassers zielgenau darunter platziere, frottiert oben Mami den Aal trocken.

 

Und während ich vor der Haustüre die Gummistiefel mit Zeitungspapier ausstopfe, beginnt drinnen die Sendung mit der Maus. Da hätten wir ja fast unsere Traditions-Sonntags-Sendung verpasst! Instinktiv muss der Junior wohl gewittert haben, dass ein zu langer Spaziergang zum Verpassen unseres sonntäglichen Highlights geführt hätte!? Ganz klar: Da muss man auch mal zu drastischen Maßnahmen greifen, um pünktlich wieder zuhause zu sein! ...muss er sich wohl gedacht haben. Recht hat er! denke ich und pflanze mich zu meinen beiden Pappnasen auf die Couch...

 

Ein Beitrag von Matthias.

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniel (Donnerstag, 26 Oktober 2017 18:07)

    Hehe.. ja das kenne ich nur zu gut. Wir haben gerade gleich zwei Pfützentiefseetaucher. Immer mit Anlauf, selten ohne reinzuplatschen. Aber es scheint ja Spaß zu machen.. also passts �

    Lieben Gruß,
    Daniel