Memos #004 - Das sind nicht die Ziegen, die so riechen!

Aus dem Alltag des 23.05.2017

 

18.52 Uhr:

 

Sitze im Garten der Deckel meines Biers ploppt auf. Um 18 Uhr war meine Welt noch in Ordnung. Eigentlich wollten wir mit dem Junior nur hinters Haus zu dem neuen Gehege wo gerade drei Ziegen das Gras abweiden dürfen. Haben wir auch getan. Lustig diese Tierchen. Findet auch der Junior. Noch während wir die Vierbeiner füttern, steigt mir einen übler Geruch in die Nase. Ich sage zu meiner Frau: „Das sind aber nicht die Ziegen!?“. Sie sagt: „Naja mit einem kleinen Haufen in der Windel können wir doch noch problemlos bei den LKW vorbei schauen! Wir haben es ihm schließlich versprochen“. Sie setzt den Kleinen in seinen Kinderwagen und wir machen die ersten Schritte. Aber was breitet sich da im Rückenteil der Kinderkarre aus? Eine riesige braune Pfütze nimmt die Lehne für sich ein. Es genügt ein gegenseitiger Blick und wir ändern die Laufrichtung um 180 Grad.

Flotten Schrittes streben wir zurück nach Hause. Dort angekommen wird der Junior im Eiltempo samt Schuhen und Jacke ins Obergeschoss und die dortige Badewanne verfrachtet. Ein letztes Durchatmen, dann beginnt das Unvermeidliche. Wie Kriminologen entfernen wir Kleidungsstück für Kleidungsstück und sind gespannt, wann uns das mittlerweile nasal-raumgreifende Desaster auch optisch beglücken wird. Was sich gleich darauf zeigt ist ein Bilder der vollkommenen Verwüstung: Body, Oberteil, Jeanshose. Alles bis in die letzte Faser gründlich verschissen. Ein Kessel Buntes, denke ich.

Der Junior findet die Prozedur überhaupt nicht lustig. Trotz besonnenem Zureden meiner Frau kreischt er wie ein Ferkel, als wir ihn ringsum mit dem warmen Vollstrahl der Brause von den gröbsten Brocken befreien. Schließlich wollte er zu den LKW und hat garkein Verständnis dafür jetzt in der Wanne stehen zu müssen. Die Wanne färbt sich nach und nach immer brauner und meine Gedanken schweifen ab an ein kühles Bierchen, das ich jetzt eigentlich viel lieber knapp unter meiner Nase ansetzen würde anstatt diesen Mief in der selbigen zu haben. Das Gröbste ist geschafft und jetzt beginnt die Arbeitsteilung: Meine Frau wird nun den Kleinen beruhigen, ihn komplett abseifen, abtrocken und neu einkleiden. Ich packe die Windel und die Wickelunterlage in eine vorsorglich mitgebrachte Tüte, öffne das Fenster und Abflug Richtung Hof damit. Jetzt greife ich mit den Fingerspitzen die besudelten Textilien, parke sie in Juniors Nachttopf und nehme alles mit ins Erdgeschoss.

Die Dusche des Gäste-WC wird für die nächsten 40 Minuten mein Arbeitsplatz sein. Als ich die Klamotten auf links drehe, eröffnet sich den Augen das gesamte Ausmaß. Kurz danach auch der Nase. Ich würge kurz, kann aber Schlimmeres unterdrücken. Ich beginne erneut mit dem harten Strahl der Brause die Textilien zu kärchern. Munter fliegen Brocken verschiedenster Größe an die Glaswände der Duschkabine. Holla, denke ich! Was in so ein kleines Kerlchen doch alles reinpasst. Noch bevor ich mich für meinen Galgenhumor selbst loben kann, würgt es mich wieder.

Kurzentschlossen sprinte ich in den Keller und hole mir Gummihandschuhe um nicht allzu sehr mit der kontaminierten Masse in Kontakt zu kommen. Junior und Mutter kommen gutgelaunt aus dem oberen Bad. Er ist frisch eingekleidet und die beiden machen sich auf den Weg zu den versprochenen LKW. Ich bekämpfe weiter das Desaster in der Dusche und ärgere mich, dass ich aus dem Keller keine Wäscheklammer für die Nase mitgebracht habe. Wozu auch! Eigentlich haben sich die Riechnerven schon angepasst. Oder sind sie einfach nur gestorben?!

 

Was soll man dazu sagen? Kleinere Unfälle mit verschmutzten „Radkästen“ gab es ja schon seit dem ersten Tag immer mal wieder. Aber dieses Kackorama sprengt alles bisher Gesehene! Die beiden sind nun locker schon eine Viertelstunde unterwegs. Ich schrubbe weiter und bete, dass auch die dickeren Korngrößen durch den Siphon der Dusche hindurch passen mögen. Nachdem die gesamte Dusche frei von Grobem und mit Badreiniger eingesprüht ist, sprinte ich nach oben und lasse der Badewanne das gleiche Einsprüh-Progamm zukommen. Dann hechte ich wieder nach unten. Denn mittlerweile droht der Schaum im unteren Bad einzutrocknen. Schnell beginne ich zu Schrubben und bemerke jetzt erst, dass ich schon die ganze Zeit bis zu den Knien nass bin.

Es klingelt an der Tür. Herrgott, die Frau hatte im Weggehen erwähnt, dass sie keinen Schlüssel mitgenommen hat. Die Hände in Gummihandschuhen, die Bürste in der Hand öffne ich die Tür umständlich mit dem Ellbogen und will schon wieder ins Bad gehen. Da merke ich, dass es draußen verdächtig ruhig ist. Ich werfe einen Blick durch den Türspalt. Da steht ein Opa mit Bofrost Mütze und einem bunten Prospekt in der Hand. Irgendwie bin ich gerade nicht in der Stimmung für Tiefkühlkost. Meine Hand zuckt, aber ich werfe ihm die Bürste nicht an den Kopf. Stattdessen schicke ich ihn nur unwirsch weg und sprinte zurück ins Bad. Dort angekommen fällt´s mir wieder ein: Oh Shit! Hab ich ja total vergessen! Die braune Pfütze im Rückenteil des Kinderwagens ist sicher schon komplett eingetrocknet. Also nochmal raus. Ich rufe dem irritierten Bofrost-Opi, der immernoch im Hof rumstolpert, zu, dass er sich endlich vom Acker machen soll. Renne in nassen Socken in den Garten. Verdammte Druckknöpfe. Wo haben die die Dinger überall hin genietet! Hab´s geschafft, die Sitzauflage ist mein!

 

Renne mit dem Teil in der Hand wieder ins Haus und wieder in die Dusche. Ich brause den Bezug ab und versaue die komplette Duschkabine ein weiteres Mal mit brauner Soße. Nachdem ich das triefend nasse Teil zurück in den Garten geschleppt habe, schwöre ich mir nun einen Gang runter zu schalten und gehe seelenruhig wieder rein. Ich besprühe die gesamte Duschkabine ein weiteres Mal mit Badreiniger, warte bis er eingezogen ist und schrubbe den gesamten Glaskasten gründlich und zu meiner vollsten Zufriedenheit ab. Kacke! Jetzt fällt´s mir wieder ein: der Badreiniger in der Wanne im Obergeschoß ist hundertprozentig eingetrocknet!

 

Von draußen höre ich amüsiertes Gegacker. War also gut bei den LKW, denke ich mir, schmeiße die Bürste in die Ecke, ziehe die Handschuhe aus, wasche und desinfiziere meine Hände und begrüße meine zwei besten, die draußen nochmal den Sandkasten öffnen.

 

Scheiß doch einfach auf die blöde Badewanne, ich hab mir jetzt echt ´n Bierchen verdient! PROST!

 

(Und wer sich jetzt fragt, warum diesem Bericht keine Bilder hinzugefügt wurden, dem kann ich auch nicht mehr helfen!)

 

Ein Beitrag von Matthias.

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