Das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen". Ein viel diskutierter Ratgeber

„Jedes Kind kann schlafen lernen“ lautet der Titel eines sehr bekannten Elternratgebers. Dass dieses Buch in zahlreichen Elternforen so unglaublich kontrovers diskutiert wird, hätte ich nach der ersten Lektüre gar nicht nachvollziehen können. Im Internet stieß ich jedoch auf eine breite Spanne an unterschiedlichsten, sehr emotionalen Kommentaren. Die lauteste (und aggressivste!) Kritik stammte von Personen, die von dem Buch bisher nur gehört, jedoch noch keine einzelne Seite davon gelesen hatten. Im folgenden Beitrag möchte ich sowohl mein Verständnis des Buchs erläutern als auch beschreiben, wie wir die darin enthaltenen Ratschläge erfolgreich bei unserem Nachwuchs anwenden konnten...

Ratgeber "Jedes Kind kann schlafen lernen" - Um was geht es?

Kann jedes Kind Schlafen lernen

Der Titel spricht für sich – es geht um das Thema Nummer 1 in den ersten Lebensjahren eines Kindes. Nämlich um das SCHLAFEN und EINSCHLAFEN. Die primäre These des Ratgebers lautet, dass jedes Kind, welches die entsprechende biologische Reife erreicht hat, lernen kann alleine einzuschlafen und durchzuschlafen. Und dies ohne zusätzliche Hilfestellungen wie Schaukeln, Streicheln, nächtliches Fläschchen usw.. Tiefergehende Details der Methode möchte ich hier nicht diskutieren. Dafür solltet ihr einfach selbst zum Buch greifen. Ich möchte lediglich einige, wichtige Punkte für diejenigen festhalten und erläutern, die es (noch) nicht gelesen haben. Denjenigen, die es gelesen aber nicht verstanden haben, kann ich leider auch nicht weiterhelfen. Das Buch ist nämlich in einer sehr einfachen Sprache geschrieben und sehr gut strukturiert. Fehlinterpretationen sind so gut wie ausgeschlossen.

Ich habe es gelesen und entschieden der vorgeschlagenen Methode eine Chance zu geben und bei unserem damals 10 Monate alten Sohn anzuwenden. Hier meine Erfahrungen und Meinung dazu:

Einige Fakten über „Jedes Kind kann Schlafen lernen“

  1. Entgegen vieler Kommentare im Netz rät das Buch an KEINER Stelle dazu, das Kind einfach alleine im Bett schreien zu lassen, bis es einschläft. Ganz im Gegenteil. Es wird sogar erklärt, warum es kontraproduktiv ist und welche negativen Folgen diese Vorgehensweise haben kann. Die Methode besteht vielmehr darin den Schlafraum in bestimmten Intervallen zu verlassen und im Fall, dass das Kind weint, nach einer KURZEN Weile zurückzukommen und es zu beruhigen. Mein Kommentar dazu: Keine Mutter hört ihr Kind gerne weinen. Gerade in den ersten Lebensmonaten des Kindes sind die Mamis darauf programmiert, aufs Weinen sofort zu reagieren. Das ist auch gut so, denn ein Baby kann nur auf diese eine Art und Weise kommunizieren – durch Weinen. Im Laufe der Zeit lernen aber alle Eltern, dass ein kurzes Weinen einem Kind durchaus zuzumuten ist. Vor allem, weil es manchmal einfach gar nicht anders geht. Man hat ja bekanntlich nur zwei Hände. Und manchmal ist man eben gerade auf Toilette oder der Postmann steht vor der Tür. Langer Rede kurzer Sinn: die Autoren (und ich!) haben eine klare Stellung dazu: Eine kurze Weile Alleinsein (unter Umständen auch mit Geschrei) – JA! Einfach dauerhaft schreien lassen – NEIN!
  2. Das Buch lässt Freiräume. Denn es wird immer wieder betont, dass die Eltern diejenigen sind, die ihr Kind und sich selbst am besten kennen und selber entscheiden sollen, ob und in welcher Form die beschriebene Methode angewandt wird.
  3. Das Buch ist sehr interessant. Die Autoren begrenzen sich nicht nur auf die Beschreibung der Methode, sondern setzen sich auch mit der Biologie des Schlafes auseinander. Zahlreiche wissenschaftliche Hintergrundinformationen hierzu werden einfach und verständlich vermittelt.
  4. Das Buch spendet Trost. Selbst wenn man die Vorschläge nicht umsetzt, fühlt man sich nach der Lektüre viel besser. Die Autoren beschreiben viele Praxisbeispiele, sodass einem klar wird, dass man mit seinem Problem nicht allein ist, und, dass es anderen teilweise noch schlimmer geht. Nicht schön, aber tröstend.

Wie die Schlafprobleme bei uns aussahen

Ich habe das Buch "Jedes Kind kann Schlafen lernen" gekauft, als Maximilian 10 Monate alt war. Wir hatten damals große Probleme mit dem abendlichen Ins-Bett-Legen und Einschlafen. Ich musste immer dabei sein, die Hand halten, ihn streicheln. Einerseits verlangte er nach meiner Anwesenheit, aber andererseits war diese auch der Grund warum er nicht einschlafen konnte. Er „redete“ mit mir, spielte mit meiner Hand herum. Es dauerte manchmal eine gute Dreiviertelstunde bis er eingeschlafen war.

Tagsüber sah es noch schlechter aus. Er schlief nur in der Bauchtrage ein. Ins Bett Ablegen gelang manchmal, meistens aber nicht. Also musste ich ihn weiter Tragen, bis er wieder wach wurde. Gerne schon mal eine ganze Stunde. Und das zwei bis dreimal täglich. Grundsätzlich hatte ich kein großes Problem damit, er wog aber mittlerweile 9 kg, was mich langsam aber siche an meine körperlichen Grenzen brachten.

Es war mir auch bewusst, dass die Tatsache, dass er nicht selbstständig einschlafen kann, gleichzeitig der Grund für das nächste Problem war. Nämlich dafür, dass er nachts keineswegs durchschlief. Er wachte jede Nacht mehrfach auf und fand nicht mehr in den Schlaf zurück. Die nächtlichen Fläschchen hatten wir bereits drei Monate früher problemlos abgestellt, weil wir dachten, dass er dann endlich durchschlafen würde. Leider irrten wir uns. Nach wie vor mussten wir jede Nacht mehrfach aufstehen. Meistens ging es dann nicht ohne langwieriges Herumtragen und Schaukeln.

Unsere Erfahrungen mit der Methode aus „Jedes Kind kann Schlafen lernen“

Kinder können schlafen lernen

Wir haben die Methode von Beginn an für den Tages- und Nachtschlaf angewandt. Die vorgeschlagenen „Wartezeiten“ haben wir etwas verkürzt. Bereits nach einer Minute Weinen sind wir wieder ins Zimmer. Die zweite Pause betrug dann zwei Minuten, die dritte und jede nächste Pause drei Minuten. Den Schnuller durfte er haben, wenn er mochte.

Die ersten drei Tage waren grauenvoll. Wie bereits erwähnt – niemand hört sein Kind gerne Schreien. Und Maximilian hat geschrien, zum Glück nicht lange - aufsummiert nie länger als 25 Minuten. Meistens kam ich in dieser Zeit drei- bis fünfmal in sein Zimmer und ging wieder heraus. Danach schlief er tatsächlich ein. Ab dem vierten Tag hat sich die Situation dann spürbar gebessert. Ich musste nur noch einmal bis zweimal in das Zimmer zurückkommen und das Schreien wurde zum Meckern. Und nach zwei Wochen schlief Maximilian problemlos ein. Ich konnte ihn ablegen und zügig das Zimmer verlassen ohne, dass er einen Aufstand machte. Manchmal hörte ich ihn noch „erzählen“ aber meistens schlief er schnell ein. Für mich ein voller Erfolg!

Das Problem des nächtlichen DURCHschlafens ließ sich allerdings nicht so schnell lösen. Es muss aber auch gesagt werden, dass das nächtliche Aufwachen seltener wurde und weniger anstrengend. Meistens reichte es schon den Schnuller zu geben und er schlief weiter. Herumtragen adieu!!! Es dauerte dann noch weitere 2-3 Monate bis der Kleine weitestgehend durchschlief.

Die Dauer und Ergebnisse der Methode - wie ist es mit dem Schlafen heute?

Maximilian ist nun 20 Monate alt. Er schläft meistens durch. Nur noch sehr selten wacht er auf. Dann reicht es meistens den verlorenen Schnuller zu reichen oder kurz zu Streicheln und nach wenigen Sekunden schläft er wieder. Er schläft generell selbständig und schnell ein. Auch im Urlaub in „fremden“ Betten. Unsere Lebensqualität hat sich enorm verbessert. Wir haben die Abende und Nächte wieder für uns und fühlen uns endlich wieder ausgeschlafen! Es ist ein Jahr vergangen seitdem wir die Vorschläge im Buch umgesetzte haben. Offensichtlich trägt unser Sohn keine Schäden davon. Denn er ist ein lebhaftes und fröhliches Kind, das sich sehr gut entwickelt. Alles was ich abschließend sagen kann, ist, dass ich jedem empfehle das Buch zu lesen und die Methode wenigstens einmal mit ein wenig „dickem Fell“ (bezüglich des Weinens) auszuprobieren. Uns jedenfalls hat sie geholfen.

 

Ein Beitrag von Marta.

Erfahre hier mehr über sie oder

folge @maximal_mama auf Instagram



Weiterlesen - ähnliche Themen


Deine Meinung - Kommentieren

Wir sind gespannt auf DEINE Meinung zum Beitrag! Nutze einfach die Kommentarfunktion unten.

In Instagram hat sich einmal mehr gezeigt, was ich in einem der ersten Sätze der Einleitung bereits erwähnt habe: Das Buch wird mehr als heiß diskutiert. Teilweise ganz offensichtlich ohne es gelesen oder damit eigenen Erfahrungen gemacht zu haben. Die Instagram-Diskussion erreicht ihr über das Sprechblasen-Symbol im unten eingebundenen Beitrag.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0