Memos #003

Aus dem Alltag des 07.04.2017: Tagesmutter, Brezel und Elch, Happy End?

6:40 Uhr:

Bin vor dem Wecker wach. Magengefühl wie vor einer Mathearbeit. Heute steht schließlich eine erneute Zerreisprobe bei der Tagesmutter an. Eigentlich geht es ja nur um die Frage "Lässt sich der Knirps ohne Gezeter abgeben oder macht er wieder Terror?".

Besagter Knirps schläft jetzt noch. Gehe zunächst mal leise ins Erdgeschoss, um die Rollläden hochzuziehen und mir einen Beruhigungs-Kaffee zu kochen.

 

7.32 Uhr:

Junior sitzt gut gelaunt und nichtsahnend am Frühstückstisch. Mampft die leckeren Brotschnitten, die ihm Mami liebevoll vorbereitet hat, bevor sie in aller Früh zur Arbeit gefahren ist. Immer wieder spreche ich an, dass es ja heute zur Tagesmutter und den anderen Kindern geht. Da kann ja ganz toll gespielt werden mit Traktor, Bagger und sonstigem.

Nach dem Mampfen machen wir uns ohne große Umschweife fertig. Draußen hänge ich den Kinderanhänger ans Fahrrad. Junior wird samt seines kindgroßen Schmuse-Elchs in den Anhänger bugsiert. Haben nämlich gestern Abend im Bett noch eine neue Strategie entwickelt und überlegt, dass wir heute früh den Elch mitnehmen. Hoffen auf Trost durch das liebe Tier in schwierigen Situationen. Schließlich dient der Elch seit geraumer Zeit als Kopfkissen und vertraute Einschlafhilfe des Juniors.

Wir machen uns auf den Weg zur Tagesmutter und ich werde Martas zweiten Tipp beherzigen: unterwegs noch in der Bäckerei zwei Bestechungs-Brezeln für den Junior kaufen! Die werde ich in der Übergabe-Situation aus dem Hut zaubern und hoffen, dass sie ihre pawlowsche Wirkung sofort entfalten.

 

8.15 Uhr:

Nachdem ich den Junior im Hausflur der Tagesmutter noch in seine Hauskleidung gesteckt und die magischen Brezeln aus dem Hut gezaubert habe, übergebe ich Ihnen an die Pflegefachkraft. Natürlich nicht ohne andauernd zu wiederholen, dass der Papa ja bald wieder kommt und der Junior jetzt mit den Kindern oben schön spielen kann.

Gebe der Tagesmutter schnell noch einige Tips mit auf den Weg: wenn er anfängt zu brüllen, schnell beschäftigen! Bücher rausholen und fragen was es darin zu sehen gibt. Spielzeugauto schnappen und fragen wo die Reifen und das Dach sind. Und so weiter und so fort. Der Knilch darf einfach gar nicht beginnen nachzudenken. Klingt irgendwie nach psychologischer Kriegsführung, ist aber unvermeidlich, wenn man einen handfesten Wutausbruch im Keim ersticken will.

Während der Junior mit der Tagesmutter ins Haus hinein schlappst, nutze ich die Chance , sage "Tschüss bis später!" und ziehe schnell die Tür hinter mir zu. Danach erklingt sofort infernalisches Gebrülle, welches durch die Wände nach draußen dringt. Ich ducke mich unter die Fensterbank, damit er mich nicht mit dem Fahrrad draußen stehen sieht. Als es etwas ruhiger wird - ich vermute sie hat ihn mit nach oben genommen - steige ich aufs Rad und düse nach Hause. Lange werde ich dort wohl nicht sein, denke ich unterwegs.

 

8.34 Uhr:

Zu Hause angekommen trage ich das Handy am Gürtel wie ein Zimmermann seinen Hammer als wichtigstes Werkzeug. Beim Beladen der Waschmaschine stoße ich mit der Hand an das Mobilteil und sofort durchzuckt mich ein Gefühl als müsste ich unaufgefordert eine Mathearbeit schreiben: flauer Magen, weiche Knie! Wird das Gerät gleich summen und Mal wieder eine Nachricht der Tagesmutter präsentieren? "Steigert sich gerade wieder in einem Wutanfall!" Könnte dann da stehen. Und ich würde genauso da stehen und überlegen was ich jetzt tun kann.

 

9.02 Uhr:

Obwohl es draußen nur fünf Grad sind, stelle ich mir einen Stuhl in die Sonne auf die Terrasse und setze mich kurz hin um durchzuatmen. Immer noch keine Nachricht von der Tagesmutter auf dem Handy. Was hat das zu bedeuten? Hat er sie mittlerweile um die Ecke gebracht und macht nun den anderen Kindern den Garaus? Oder hat sie ihn ganz einfach in den Griff bekommen und sie spielen gerade wunderbar mit Traktor und Bagger??? Fragen über Fragen...

Bleibe verstört zurück.

 

9:18 Uhr:

Nachricht auf dem Handy trifft ein! Traue mich gar nicht die Bildschirmsperre zu lösen!!!

Muss aber sein. Öffne die Nachricht. Sehe ein Bild mit meinem bis über beide Ohren strahlenden Nachwuchs. Eine Hand reckt einen Traktor in die Luft der andere hält seinen Elch.

Oh Mann! Was macht der Kerl mit meinen Nerven!? Gestern noch ging die Welt unter und heute erobert er das Spielzimmer für sich!

Bleibe verstört zurück.

 

10:24 Uhr:

Ich war bisher nie für besondere Überpünktlichkeit bekannt. Trotzdem bin ich 6 Minuten früher bei der Tagesmutter als besprochen. Scheint doch eine ziemlich große Sache für uns alle zu sein!? Denn auch mit der Mami stand ich ja durchgehend per WhatsApp in Kontakt. Quasi als Tagesmutter-Live-Ticker.

Jetzt nur irgendwie einen harmonischen Abgang hinbekommen, denke ich mir als die Tür aufgeht. Junior wirkt sehr aufgeräumt. Tagesmutter auch.

Ich ziehe den Knirps an und wir machen einen ungetrübten Abgang. Merke wie mir ein großer Stein von Herzen fällt, als wir mit Rad und Kinderanhänger durch die Gassen unseres Dörfchens nach Hause croozen.

 

Ein Beitrag von Matthias.

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