Unser Umzug ins neue Heim #1: Da steht ja Torte auf dem Tisch! Oder: Wo ist unsere Hecke???

Mit Juniors Ankunft wurde unsere bisherige Wohnung einfach zu klein. Nach langer, aber letztlich erfolgreicher Suche zogen wir im Herbst 2016 in ein neues Heim. Neben unserer Freude über mehr Platz zum Entfalten, den kleinen aber feinen Garten sowie die ländliche aber dennoch nicht abgeschiedene Lage gab es doch noch das ein oder andere Problem: Ein kompletter Kahlschlag der Hecken hinterm Haus, inaktive TV-Anschlüsse in allen Zimmern, ein kaputter Warmwasserspeicher samt Heizungsbauer der sich monatelang bitten lies sowie fast vier Monate ohne Telefon und Internet Dank O2 und der Deutschen Telekom. Unseren durchwachsenen Start im neuen Heim habe ich in vier Episoden festgehalten. Beginnen wir mit der Hecke…

Wir platzen aus allen Nähten – eine neue Wohnung muss her!

Für uns zwei war unsere Wohnung im dritten Stock eines Altbaus in der Innenstadt von Worms viele Jahre absolut optimal. Doch mit Nachwuchs platzten wir plötzlich aus allen Nähten. Erst jetzt, da wir den Junior mit jedem Schritt auf unserem urigen Dielenboden aufweckten, wurde uns klar, dass solch ein Untergrund nicht nur stylish sondern auch nervig sein kann. Der einmalige Ausblick über die Dächer der Stadt zeigte plötzlich seine Schattenseite. Denn wir mussten nicht mehr nur uns sondern auch den Junior plus sein gesamtes Gerödel mehrfach täglich in den dritten Stock und wieder runter schleppen. Und mit wachsender Mobilität des Juniors wurde außerdem klar, dass es ziemlich uncool ist, wenn er irgendwann zur Haustür raushüpft und sofort auf einer vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße im Stadtzentrum steht. Was lernen wir daraus? Alles was in einer Lebenslage große Vorteile haben kann (Zentralität, Bahnhofsnähe, Trubel etc.), kann in einer neuen Lebenslage auch zum Nachteil werden.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stand somit unsere Entscheidung für einen Wohnungswechsel fest. Da wir uns aus mehreren Gründen gegen Kauf oder Hausbau entschieden hatten, suchten wir eine „ländliche Mietwohnung neueren Baujahrs mit kleinem Garten, wenig Stufen und dennoch gewisser Nähe zu unseren beruflichen Verpflichtungen“. Vor allem Marta hatte bald bei allen Immo-Portalen den Überblick über die Angebote des Umlands. Es kam zu einigen Besichtigungen und auch Absagen oder Nichtgefallen unsererseits. Kurz vor Juniors erstem Geburtstag besichtigten wird dann unsere heutige Wohnung und bekamen auch den Zuschlag vom Vermieter. An dieser Stelle ein kurzes „Haltet durch!“ an alle Wohnungssuchenden. Wir können jetzt nachempfinden wie knifflig und langwierig die Suche nach einer neuen Wohnung ist und hätten so schnell keine Lust darauf all diese Such-Anstrengungen nochmals auf uns nehmen zu müssen! Somit stand unser Umzug zum 1. Oktober 2016 fest und die Vorfreude aber auch der Organisationsaufwand waren den gesamten Hoch- und Spätsommer über sehr groß.

Auf den Umzug selbst werde ich in einem kommenden Artikel zu meiner Elternzeit eingehen. Hier möchte ich „nur mal eben“ die Probleme ansprechen, die wir gleich zu Beginn in der neuen Wohnung hatten und welche uns teilweise über Monate begleiteten. Da der geneigte Leser anhand der nachfolgenden vier Episoden vermuten könnte, dass unsere Wohnung totaler Schrott ist und wir uns komplett unwohl fühlen, sollte gesagt sein, dass dies überhaupt nicht der Fall ist. Die beschriebenen Querelen sind einfach nur so ärgerlich und waren teilweise so langwierig, dass ich sie mir hiermit einfach mal von der Leber schreibe. Die Aufzählung ist nicht chronologisch sondern nach ansteigender Intensität der Nervigkeit und Dauer. Viel Spaß beim Kopfschütteln!


1. Akt: Da steht ja Torte auf dem Tisch! Oder: Wo ist unsere Hecke???

Wir besichtigten die neue Wohnung im Hochsommer 2016. Die Hecken, die den Garten und die Terrasse vom direkt angrenzenden, stark frequentierten Feldweg (Radler, Spaziergänger, Hunde-Gassi-Geher, Landfahrzeuge etc.) trennten, waren ein blickdichtes Bollwerk und machten den Garten zu einem wohl geschützten Privatbereich. Wir freuten uns bereits riesig darauf im kommenden Sommer ein Planschbecken und einen Sandkasten für den Junior aufstellen zu können. Und auf lange Sommerabende auf der Terrasse oder beim Grillen mit Freunden und Familie. Alles würde geschützt vor den Blicken der Mitmenschen hinter „unserer“ großen Hecke vor sich gehen. Dachten wir zumindest!

Doch kaum waren wir eingezogen bekam der örtliche Bauhof Anfang November den Auftrag die dschungelartige Vegetation hinter unserem Garten zurückzuschneiden. Dummerweise stehen nämlich „unsere“ Hecken direkt hinter der Grundstücksgrenze auf öffentlichem Boden und weder wir noch der Hauseigentümer konnten es verhindern, dass die Gemeinde ihre Hecken schneiden wollte. Den Feldweg hinunter sah ich die Schneidearbeiten Tag für Tag auf unseren Bereich der Hecken zukommen. Was ich da sah machte mir jedoch ein wenig Sorgen. Denn anstatt das Grün „ein Wenig in Form zu bringen“ und hier und da einen Ast zu stutzen, wurden sämtliche Hecken mit Ausnahme einiger größerer Bäumchen einfach in Bodennähe radikal abgeschnitten. Die Herrschaften arbeiteten mindestens so akkurat wie zuletzt Agent Orange in Vietnam! Von einem kompletten Kahlschlag zu sprechen ist durchaus angebracht. Fassungslos konnten wir nichts tun als den Arbeitern zuzuschauen, wie sie unserem Haus näher kamen. Spätestens seitdem wissen wir wie es den Urwaldvölkern in Amazonien geht, wenn die Wälder rund um ihre Hütten für Palmölplantagen gerodet werden!

Auftrag sei Auftrag, waren die letzten Worte der Arbeiter. Eine halbe Stunde später konnte uns jeder Passant nicht nur in den gesamten Garten und auf die Terrasse schauen, sondern auch durch die großen Glastüren bis auf den heimischen Esstisch. Noch dazu wurde es gerade Spätherbst und bereits ab 16 Uhr musste man im Haus das Licht einschalten. Tolle Sache, wenn jeder aus dem Dunkel der Nacht geradewegs in die hell erleuchtete Wohnung schauen kann! Aufgrund der Hecke hatten wir uns nämlich bislang überhaupt keine Eile gemacht Gardinen für die große Fensterfront zu besorgen. Getoppt wurde das Gratis-Familienkino mit uns in den Hauptrollen als mich ein neuer Nachbarn ein paar Tage später ansprach: „Sag mal, hatte bei Euch jemand Geburtstag? Da stand ja neulich Torte auf dem Tisch!“. Fast and Furious ging es deshalb für mich noch am selben Abend in den Baumarkt und zwei Stunden später waren blickdichte Gardinen angebracht. Wenigstens innerhalb unserer Wohnung waren wir nun vor den Blicken von außen sicher. Es war zwar nicht unser Wunsch dies nur anhand zugezogener Gardinen zu erreichen, aber anders würde uns jeder das Nachtessen mit in den Mund gucken können.

Während also in der Wohnung wieder Privatsphäre möglich war, konnte nach wie vor jeder Spaziergänger den kompletten Garten und die Terrasse begutachten. An den bevorstehenden Sommer mit Planschbecken, Sandkasten und Grillen wollten wir nicht mehr denken! Sollten wir Würste, Steaks und Kaltgetränke über den Zaun reichen? Sollte jeder sehen, wie ich in meinem geliebten String-Tanga für nahtlose Sommerbräune sorgen würde??? Bis die Hecken wieder nachwachsen und einen annähernden Sichtschutz bieten würden, werden mindestens zwei bis drei Jahren ins Land gehen.

Schnelle Hilfe war gefragt - und kam auch gleich in Form unseres Vermieters um die Ecke

Was nun folgte war eine sehr zuvorkommende, schnelle und unproblematische Lösung durch unseren Vermieter. Dieser hatte den Kahlschlag mitbekommen und erklärte sich sofort einvertanden etwas gegen unsere missliche Lage zu unternehmen. In den kommenden Tagen besorgte er zielstrebig alle notwendigen Materialien und wir errichteten gemeinsam einen Sichtschutz „Marke Eigenbau“ entlang der Grundstücksgrenze. Als die letzte Schraube versenkt war, sagte er in schönstem Pfälzisch: „Jetzert muss es Chrischtkind iwwer de Zaun hupse wonns zu Aich kumme will!“. Schließlich stand Weihnachten vor der Tür und mit dem neuen Sichtschutz wurde uns ein frühzeitiges Weihnachtsgeschenk bereitet. Der Sommer mit Planschbecken, Grillen und nahtloser Bräune kann kommen!

Erstes Mittagessen im eigenen Garten


Dieses war der erste Streich. Die Akte zwei bis vier folgen gleich. Weiterlesen:

In der nächsten Episode unserer Umzugs-Odyssee wird es bereits haariger: ein mobiles Gerüst muss her und die Handwerker schreien vom Dach bis in den Keller, um herauszufinden welches Kabel wohin führt. Die Stories drei und vier werden noch härter und sind nichts für Warmduscher. Wenn wir sie nicht geregelt hätten, könnten wir heute noch nicht einmal darüber bloggen!

 

Ein Beitrag von Matthias.

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