Das anstrengende erste Jahr mit Kind

"Irgendwie das erste Jahr überstehen, und dann wird alles besser" - tröstete mich zum n-ten mal meine Mutter, als ich ihr völlig erschöpft von meinen alltäglichen Abenteuern mit dem Junior erzählte. Dieser Alltag war zwar unglaublich schön, jedoch auch unglaublich anstrengend. An manche Belastungen werde ich mich sicher mein Leben lang erinnern. Hier sind meine Top 5, die mich an meine Grenzen gebracht haben...

Mami´s Top 5 Herausforderungen aus dem ersten Jahr mit einem Baby

1. Ständiges Tragen des Babys

Das Herumtragen eines Säuglings belastet deinen Körper mehr als du denkst

Kleinkind in der Babytrage

Diejenigen, die noch keinen Nachwuchs haben, verstehen oft nicht, warum das Tragen eines kleinen, süßen Babys zum Albtraum werden kann. Denn, so süß das Baby auch sein mag, es wiegt schon ab dem ersten Tag gute 3 bis 4 Kilo. Und es nimmt schnell und kontinuierlich an Gewicht zu. Es muss und will in den ersten Monaten viel getragen werden. Das beansprucht die Muskulatur erheblich! Leider ist es nicht dasselbe wie im Fitnessstudio: ein Stündchen Gewichte-Stemmen und Feierabend. Nein, das Herumtragen findet von jetzt auf gleich rund um die Uhr statt. Auch unser Junior war hier keine Ausnahme. Nach kürzester Zeit war mein kompletter Rücken im Eimer und meine Arme hingen gefühlt bis zum Boden.

Kleiner Exkurs: Wer nachvollziehen will, wie das ist, der nehme einen 5-kg-Kartoffelsack und schleppe ihn ab sofort überallhin mit sich herum. Am Anfang erst eine Viertelstunde, dann die Tragezeit schrittweise erhöhen, bis eine komplette Stunde erreicht ist. Erst dann wieder ablegen. Aha, wichtig! Den Sack nicht nur lieblos mitschleppen, sondern gleichzeitig streicheln, schaukeln und liebevoll etwas vorsingen. Um näher an die Realität heranzukommen, macht ihr dies am besten nachts um 3 Uhr. Dabei natürlich jederzeit absolut ruhig und entspannt bleiben. Diese Übung über Wochen mehrmals täglich wiederholen und sich dann nochmal überlegen, ob man den Kartoffelsack wirklich gegen Nachwuchs tauschen möchte.

Ich weiß, ihr denkt jetzt „Aber, dafür gibt es doch Tragetücher oder ergonomische Tragen, die den Rücken schonen!“. Zum Thema Tragetuch: Erstens – versucht mal um 3 Uhr nachts ein Tragetuch blitzschnell und trotzdem sicher zu binden, während euer Baby die Bude zusammen brüllt. Zweitens – nicht alle Babies mögen das Liegen innerhalb einer festen Position im Tuch. Manche wollen zum Beispiel wie in einer Wiege geschaukelt werden. Oder wegen Bauchschmerzen lieber im sog. Fliegergriff getragen werden.

Und eine Trage? Finde ich persönlich besser und habe ich auch monatelang intensiv genutzt. Aber, ganz ehrlich – die Arme werden zwar geschont (und man kann sogar gleichzeitig was im Haushalt machen), aber der Rücken nicht wirklich. Egal wie modern oder teuer eine Trage ist – sobald sich das Gewicht des Kindes in Richtung 7, 8 oder mehr Kilo entwickelt, hat der Rücken keine Chance.

Ausblick: je älter und somit mobiler das Kind wird, desto weniger besteht es darauf getragen zu werden. Also, Zähne zusammenbeißen und durchhalten!

2. Das Kind stillen – jedoch ohne Stille

Wenn das Stillen zum Kampf wird

Stillen ist für die meisten Mütter etwas Schönes und Besonderes. Aber Stillen kann auch anstrengend sein! Sehr sogar! Über Monate hinweg Tag und Nacht alle zwei Stunden zur Verfügung stehen zu müssen, führt nicht nur dazu, dass man dauerhaft sehr müde ist, sondern auch, dass man sich wie ein Sklave fühlt. Denn, wenn ein Baby Hunger hat, lässt es dich dies unmissverständlich wissen. Laut und eindeutig. Und egal was du auch gerade tust, du musst es augenblicklich unterbrechen. Noch schnell die Wäsche aufhängen? Noch schnell den Kaffee austrinken? Noch schnell mal zur Toilette? Fehlanzeige! Ein Baby macht keine Kompromisse, wenn es hungrig ist.

Irgendwann, als unser Liebling bereits etwas älter war, wurde das Stillen dann alles andere als still! Denn plötzlich wurde die Umgebung und die Welt um ihn herum sehr interessant. Interessanter als die Brust. Es lief unzählige Male so: er saugte kurz und drehte sich dann plötzlich weg, um sich umzuschauen. Dabei hat er gerne mal vergessen die Brustwarze loszulassen. Aua!!! Nach dem Abdocken dauerte es nur wenige Sekunden, bis er anfing zu schreien, denn er war ja eigentlich hungrig. Also dockte ich ihn erneut an, damit er trinken konnte. Ein paar Sekunden später fing das ganze Spiel von vorne an: ruckartiges Abdocken, kurze Pause, Schreien, wieder Andocken, kurzes Trinken, ruckartiges Abdocken… Hierdurch konnte ein einziges Stillen (und wir waren ja zuvor eigentlich schon ein eingespieltes Team) wieder eine halbe Stunde oder mehr dauern.

Deshalb gebe ich jetzt ohne schlechtes Gewissen zu: das Stillen hat am Ende einfach nur noch genervt. Es war nichts Intimes und Sinnliches mehr zwischen Mutter und Kind. Ich entschied mich dazu abzustillen und auf die Flasche umzusteigen. Kurz danach haben wir Beikost eingeführt. Und dann...

3. Sauerei beim Essen und Trinken

Alles klebt und babt...

Baby beim Essen

„Putzige“ Kleinkinder beim Essen hat wohl jeder schon einmal gesehen. Die Nahrungsaufnahme ist am Anfang für Babies vor allem eins – ein Spiel. Das ist jedoch nur für diejenigen "putzig" und lustig, die diesen Vorgang nicht mehrfach täglich über Monate (Jahre!?) hinweg begleiten müssen. Ich sage nur eins – selbst der ruhigste Mensch gelangt irgendwann mal an seine Grenzen, wenn er zum x-ten Mal am Tag den Esstisch, das Stühlchen und den Boden nass reinigen muss. Und natürlich auch das komplette Kind. Und sich selbst. Oder wenn er nach dem Apfelrest sucht, den das Kind irgendwo „versteckt“ hat. Oder wenn er eine Banane von der Fensterscheibe abkratzt, weil der Nachwuchs mal ausprobieren wollte, ob man mit so einer Banane auch auf der Scheibe „schreiben“ kann. Oder wenn er ein mittlerweile komplett mit Schimmel bewachsenes Stück Brot unter der Couch findet. Oder, oder, oder. Leider dauert es meist deutlich länger als ein Jahr, bis ein Kind einigermaßen ordentlich essen kann.

4. Akrobatik beim Wickeln

oder: Ringen auf dem Wickeltisch

Es gab eine Phase, so ungefähr als Maximilian ein halbes Jahr alt war, in welcher das Wickeln zum Horror wurde. Er hatte nämlich kurz zuvor entdeckt, wie man sich auf den Bauch dreht und wollte kaum mehr auf dem Rücken liegen. Da half dann auch unser Bierdosen Mobile nicht mehr. Nichts konnte ihn ablenken – sobald er auf dem Wickeltisch auf den Rücken gelegt wurde, ging der Kampf los. Bis der Kerl sauber und wieder angezogen war, hat es plötzlich fünfmal so lange gedauert wie früher. Dass es dabei immer wieder Sauerei gab, muss ich nicht erwähnen. Das Kind hat nämlich zwei Arme und zwei Beine mit welchen es in alle möglichen Richtungen rudert, während man selbst mit einer Hand die Beine hoch hält und mit der anderen versucht den Nachwuchs sauber zu bekommen. Hier wären eine dritte oder sogar vierte Hand echt hilfreich. Deshalb haben Matthias und ich in dieser Phase so oft wie möglich zu zweit gewickelt.

Zum Glück legte sich auch irgendwann das Interesse am Herumdrehen und Maximilian blieb wieder (mehr oder weniger) ruhig beim Wickeln. Dafür kam bald die Zeit für Kriechen, Robben und…

5. Sich überall Hochziehen

Mit steigender Mobilität des Kleinkindes wachsen auch die Gefahren

Dies war eine der Phasen, die mich am allermeisten geschlaucht haben. Es war so um den 8./9. Lebensmonat als Maximilian anfing sich an allen möglichen Gegenständen hochzuziehen. Schon das erste Mal endete mit einem Unfall. Er robbte zu einem großen Blumentopf in unserer Wohnung und begann sich an dessen Rand hochzuziehen. Ich saß direkt daneben und schaute fasziniert zu, wie er zuerst auf die Knie ging, sich dann hoch zog und plötzlich auf den Füßen stand. Dabei hat er mich angeschaut und gelächelt. Was für ein unglaublich schöner Moment! Doch keine Sekunde später passierte es: er will sich umdrehen, verliert das Gleichgewicht und fällt so unglücklich, dass er mit dem Kopf an eine massive Deko-Vase aus Glas knallt! Diese Vase hatten wir als ungefährlich eingestuft und deswegen nie aus dem Zimmer entfernt – sie war sehr groß und schwer, quasi unkaputtbar - dachten wir. Doch durch die Wucht des Kopfstoßes (Dickschädel!) zerbrach sie in hunderte Stücke! Maximilian lag unter den Glasscherben und schrie wie am Spieß. Erschrocken und dem Herzinfarkt nah sprang ich zu ihm. Aber wie durch ein Wunder gab es außer ein paar kleinen Kratzern im Gesicht keine weiteren Verletzungen. Ich bekomme heute noch feuchte Hände, wenn ich daran denke! Nach wenigen Minuten war alles wieder gut. Dies war der krachende Anfang einer sehr anstrengender Zeit.

Ab sofort zog sich der Junior an allem hoch, egal ob es dafür geeignet war oder nicht: Stühle, Couch, Waschmaschine, meine Beine. Sogar blanke Wände. Dabei konnte er sich anfangs nur einen kurzen Moment gerade halten. Dann fiel er hin – und ich fing ihn ab. Unzählige Male. In dieser Zeit konnte ich mich nicht mal für 5 Sekunden von ihm entfernen. Das ist nicht übertrieben. Er war so intensiv am Üben, dass ich den ganzen Tag (mit Ausnahme von Schlafzeiten und Essen) hinter ihm her sein musste. Als Matthias nach der Arbeit nach Hause kam, löste er mich ab und ich war froh, endlich eine Pause machen zu dürfen. Zum Glück dauert diese Phase nicht lange – bei uns vielleicht 3 Wochen. Danach hat Maximilian schon die ersten Schritte gemacht. Nach einigen Wochen konnte er schon weitestgehend sicher laufen. Und ich endlich mal durchatmen.

Fazit

Das waren meine Top 5 Challenges im ersten Jahr. Und nach dem ersten Geburtstag? Friede, Freude, Eierkuchen? Naja, viele Probleme verschwinden tatsächlich. Aber es kommen auch neue Herausforderungen dazu. Trotzdem muss ich sagen, dass es nach dem ersten Jahr deutlich entspannter geworden ist. Und auf jeden Fall nochmal lustiger! Also, stellt Euch darauf ein und übt schon mal das Mantra aller Eltern dieser Welt: „Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase…“


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Ein Beitrag von Marta.

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